Archiv für August 2015

Günter Sare – Nichts und Niemand ist vergessen!

Zum 30. Mal jährt sich die Ermordung des Frankfurter Antifaschisten und Genossen Günter Sare dieses Jahr. Aus diesem Grund hatte sich ein ,,Freundeskreis Günter Sare'‘ zusammengefunden, um den Jahrestag angemessen zu begehen. Als Teil des Freundeskreises Günter Sare haben wir daher gestern zu einer Gedenkdemonstration an den von Frankfurter Bullen ermordeten Antifaschisten aufgerufen. Dem Aufruf folgten knapp 300 Menschen.

In den Redebeiträgen an den verschiedenen Zwischenkundgebungsorten wurde u.a. die Verbindung zwischen staatlichen Sicherheitsorganen und organisierten Faschisten (Gladio/NSU) und die fortgesetzte Kriminalisierung von aktivem Antifaschismus thematisiert. In einem Beitrag des Ya Basta!-Netzes wurde an die Opfer des mexikanischen Staatsterrorismus erinnert. Es gab Beiträge zur Zwangsarbeit im KZ Adlerwerke während der NS-Zeit und zu den Auschwitz-Prozessen im Haus Gallus. Außerdem wurde an die von Bullen im Jobcenter Gallus erschossene Chrysti-Schwundeck erinnert.

Besonders engagierte AntifaschistInnen haben darüber hinaus zum Ende der Demonstration in einer direkten Aktion eine Gedenktafel an Günter Sare auf der Frankenallee platziert! Wir sagen Danke!

Zum Abschluss der antifaschistischen Erinnerungswochen für Günter Sare haben am 28.09., seinem 30. Todestag, Delegierte des Freundeskreises an Günters Grab seiner gedacht. Außerdem wurden Spenden gesammelt, um das Grab für weitere 10 Jahre erhalten zu können.

Erinnern heisst kämpfen, Nichts und niemand ist vergessen!

Für ein revolutionäres Gedenken an Günter Sare!
Für einen revolutionären Antifaschismus!
Günter – Der Kampf geht weiter!

Redebeitrag

Zum Hintergrund:
Zusammenfassender Artikel auf Antifa Frankfurt

Abgehaltene Veranstaltungen:

(1) „Staat und Nazis Hand in Hand“ – Von den 1980er Jahren bis heute: Über das Oktoberfestattentat, Gladio und den NSU

Freitag 28.08.2015, 19 Uhr, Club Voltaire
Referent: Raimund Hethey

(2) Die Entwicklung des Polizeistaates von den 1980er Jahren bis heute

Freitag, 04.09.2015, 18 Uhr, Saalbau Gallus
Referentin: Ulla Jelpke

(3) Antifa heisst Angriff: militanter Antifaschismus in den 1980er Jahren

Sonntag, 20.09.2015, 19 Uhr, Cafe Exzess
Referent: Hort Schöppner

(4) Podiumsdiskussion: „30 Jahre – Mord an Günter Sare – Was passierte am 28.09.1985 rund um die Wahlkampfveranstaltung der NPD im Haus Gallus?“

Montag, 28.09.2015, 19:30 Uhr, Saalbau / Haus Gallus
Podium: Zeitzeugen

Unser Redebeitrag: „Günter, der Kampf geht weiter!“, gehalten auf der Gedenkdemonstration am 26.09.2015:
Wir sind heute hier, um nach 30 Jahren an Günter Sare zu erinnern! Günter wurde 1985 von einem Wasserwerfer der Polizei überrollt. Der Ablauf der Geschehnisse lässt es zu, von Mord zu sprechen. Die Linke nahm diesen Mord nicht einfach hin. Nach dem Mord an Günter fanden in 30 Städten 60 Demonstrationen und militante Aktionen statt, 20.000 Menschen gingen auf die Strasse. Über 50 Brandanschläge zeugen von der Wut der Menschen. Weshalb war Günter am Tag seines Todes auf der Strasse? Um mit anderen gegen die Faschisten der NPD zu demonstrieren! In den 80er Jahren waren noch alle Institutionen der BRD maßgeblich von alten Faschisten beeinflusst. Der bundesdeutsche Staat stand personell in ungebrochener Kontinuität zu Nazideutschland. Auch der Antikommunismus als Staatsideologie wurde vom sogenannten „Dritten Reich“ übernommen. Anfang der 80er Jahre ermordeten Nazis etliche Menschen, meist Flüchtlinge oder Migranten. Zeitzeugen der Geschehnisse von 1985 schildern eine Atmosphäre,in der militante Antifaschisten ganz allein gegen organisierten Naziterror standen. Zwar ist die Generation der alten Nazis mittlerweile ausgestorben, doch die staatlichen Behörden von heute haben sie maßgeblich mitgeprägt. Mit welchem Staat haben wir es hier also zu tun? Lasst uns zur Betrachtung einige Ereignisse der jüngeren Geschichte rekapitulieren: 1980 explodierte in München während des Oktoberfests eine Bombe. 13 Menschen kamen um, über 200 wurden schwer verletzt. Die Behörden beschuldigten zunächst linke Gruppen, um dann die These eines Einzeltäters zu lancieren. Der ebenfalls zu Tode gekommene Täter aber stammte aus dem Umfeld der Wehrsportgruppe Hoffmann. Einer neonazistischen Vereinigung. Wie heute bekannt ist, bekamen rechte Wehrsportgruppen und Terrorzellen damals Waffen und Sprengstoff aus Gladiobeständen. Gladio, in Deutschland Stay behind“ genannt, war bis 1990 eine geheime Militärorganisation der NATO, bestehend aus Neonazis, Militärs und Agenten. Alle Einzelheiten weisen auf eine staatliche „Strategie der Spannung“ hin, die damals auch in Italien und heute wieder in der Türkei praktiziert wird. Die näheren Umstände wurden vertuscht, Beweismittel vernichtet, und bis heute ist niemand für das Oktoberfestatentat verurteilt worden. 2011 flog mit dem NSU eine andere Terrorgruppe auf. Dieser werden mindestens 9 Morde an Migranten und zwei Sprengstoffattentate zur Last gelegt. Die Ähnlichkeiten zu den Hintergründen der Nazigruppen und ihrer Morde in den 80er Jahren sind frappierend. Im Umfeld der Faschisten wimmelte es von Spitzeln staatlicher Behörden, von Polizei und Geheimdiensten. Diese erhielten teils erhebliche Geldbeträge, die direkt in den Aufbau faschistischer Strukturen flossen. Wieder wurden Zusammenhänge vertuscht und Akten vernichtet. Und das Gerichtsverfahren dient in erster Linie dazu, die Existenz rechtsterroristischer Netzwerke und die Verstrickung staaatlicher Stellen darin zu leugnen! Teile des Staatsapparates und Nazis arbeiten offensichtlich Hand in Hand! Ein solches Gewaltmonopol können wir niemals akzeptieren. Zwar ist das gesellschaftliche Bewusstsein um solche Vorgänge heute ein anderes als zu Günters Zeit, aber grundsätzlich ist die Problemlage genau die Gleiche. Gleich nach 1990 wurden in Deutschland wieder Pogrome möglich. Rostock und Hoyerswerda sind uns allen noch in schlechter Erinnerung. Heute tobt der Mob in Heidenau, Freital, Tröglitz, Bischofswerda, Leipzig usw. Flüchtlingsunterkünfte brennen jede Nacht. Zwar grenzen sich die Herrschenden diesmal verbal vom brauen Terror ab, sie führen die Politik des Mobs dennoch aus: so hat die Abschottungspolitik in den letzten 15 Jahren bereits 30tausend Menschenleben gekostet. Menschen die beim Versuch starben, die Festung Europa zu erreichen. Auch wenn die Herrschenden sich menschenfreundlich inszenieren, tun sie das genaue Gegenteil: Beleg dafür sind die andauernd hohen Abschiebezahlen und die stetigen Verschärfungen des Asylrechts. Gleich geblieben ist, wie die Herrschenden die Faschisten nutzen, weil sie die Stimmung gegen Andersdenkende und Flüchtlinge anheizen. Gleich geblieben ist, wie die Herrschenden die Faschisten nutzen, um sich ein Saubermannimage zu verschaffen, um vom staatlichen Rassismus abzulenken! Es existiert eien Kontinuität der Repression in der Geschichte der BRD. Viele der autonomen Kämpfe der 80er Jahre hatten die selben Inhalte wie unsere Kämpfe heute. Wichtig bleibt auch der Kampf gegen Neonazis. Aber Neonazis haben im Kapitalismus einen sozialen Ursprung, eine Funktion, haben ihre Nutznießer. Hinzugekommen ist heute wieder die soziale Frage, und zwar mit aller Wucht. Ausbeutung, Schikane und Drangsalierung am Arbeitsplatz, an der Uni, im Jobcenter oder auf dem Wohnungsmarkt haben eine neue Dimension erreicht. Diese Zumutungen können nur kollektiv beantwortet werden. Gegen diese Zustände, dessen schärfster Ausdruck die Neofaschisten sind, stand Günter. Gegen diese Zustände stehen auch wir. Das Andenken an Günter zu bewahren heisst deshalb für uns: Den Kampf gegen den Faschismus mit seinen Wurzeln zu führen! Antifaschismus heisst deshalb immer auch: Kampf dem kapitalistischem System! Heisst revolutionärer Antifaschismus! Wir sagen deshalb:
Nichts und niemand ist vergessen – Günter, der Kampf geht weiter!

Material:
Der Redebeitrag als PDF

Plakat zur Demonstration

Flyer zu den Veranstaltungen

Presseerklärung

Fotos:
Abschlusskundgebung

In den Boden eingelassene Gedenkplatte

Nicht einen Tag den deutschen Patrioten!

Für den 12. September planen Nazis, rechte Hooligans und Rechtspopulisten einen „Tag der deutschen Patrioten“ in Hamburg. Damit wollen sie an die rassistischen Aufmärsche der vergangenen Monate von Hogesa und Pegida anknüpfen. Um ein klares Zeichen gegen Nationalismus und Rassismus zu setzen, rufen wir mit verschiedenen linksradikalen und antifaschistischen Gruppen dazu auf, den Aufmarsch zu verhindern! Wir werden nicht zulassen, dass sie ihre rassistische, völkische und reaktionäre Hetze auf die Straße tragen. Dabei vertrauen wir nicht auf Staat und Polizei, sondern werden selbstbestimmt und solidarische dafür sorgen, dass der „Tag der deutschen Patrioten“ zum Desaster wird. Wir unterstützen die Gegenmobilisierung der GenossInnen von ,,Nicht einen Tag den deutschen Patrioten'‘. Join us in action!


Naziaufmarsch verhindern!
12.09.2015 | tba | Hamburg

Aufruf und Mobi-Seite

Kurzaufruf der Antifa Pinneberg in mehreren Sprachen