Reclaim Feminism – Für einen revolutionären Feminismus!

„In der Theorie sind die Genossinnen schon gleichberechtigt, in der Praxis aber hängt der Philisterzopf den männlichen Genossen noch ebenso im Nacken wie dem ersten besten Spießbürger.“ Clara Zetkin

Einleitung
Der liberale Feminismus mit seiner Forderung nach formal gleichen Rechten war immer an den Nationalstaat gebunden, der diese Forderungen durchsetzen sollte. Die Frauenbewegung hat in vielerlei Hinsicht die tragischen Niederlagen der Arbeiterbewegung wiederholt. Ihre Kämpfe für Gleichberechtigung führen tiefer in das System hinein statt über dieses hinaus. Der postmoderne Feminismus hat in vielerlei Hinsicht das Erbe des liberalen Feminismus angetreten. Theoretisch werden die Entwicklungen der internationalen Debatte bislang nicht ausreichend zur Kenntnis genommen und haben auch keinen Eingang in die Praxis gefunden. Das betrifft insbesondere die Idee, dass mehrere Unterdrückungsverhältnisse wie z.B. Rassismus, Sexismus, Klassenunterdrückung (Konzept der Intersektionalität) zusammen gedacht und aufeinander bezogen werden müssen. Daher ist auch die verschärfte Ausbeutung von zumeist nicht-weissen Frauen im Trikont und deren Widerstand oder die Betroffenheit vieler Frauen durch die imperialistische Kriegspolitik des Westens kaum Thema in entsprechenden Demonstrationsaufrufen und Debatten – die Bewegung verharrt stattdessen in reformorientierter Identitätspolitik und damit auf dem Stand der frühen 1990er Jahre. Wir behaupten deshalb, dass insbesondere auch in der autonomen antifaschistischen Bewegung ein solcher Feminismus, der vornehmlich Ansätze der Veränderung der politischen Kultur verfolgt, zum gegenwärtigen Zeitpunkt dominiert. Die sich daraus für uns ergebenden strategischen Fehleinschätzungen und unsere solidarischen Vorschläge für einen revolutionär verstandenen Feminismus möchten wir im Folgenden vorstellen. (weiter…)