Zu Politikverdrossenheit und linker Strategie


Aktuelle Studien zum Wahlverhalten der Bundesbürger weisen auf einige bemerkenswerte Entwicklungen hin:
1. Die dauerhafte Verbundenheit von Wählerinnen zu einer etablierten Partei nimmt ab
2. Es existiert ein hohes Maß (30%) von Mißtrauen gegenüber den etablierten Parteien
3. Explizit die Verdrossenheit gegenüber Politikerinnen und Parteien nimmt zu
4. Unterschiede zwischen den Parteien werden von den Menschen weniger wahrgenommen
5. Die Menschen emanzipieren sich zunehmend von den inhaltlichen Deutungsangeboten der Parteien

Wenn wir diese für uns plausibelen empirischen Daten interpretieren, so können wir daraus die Schlussfolgerung ziehen, dass der legimatorische Konsens für den kapitalistischen Machtblock bröckelt, dessen Parteien tatsächlich kaum Differenzen aufweisen. Dass die Menschen die schematischen Deutungsangebote der Parteien weniger annehmen, heißt, dass die Bereitschaft zu eigenständigen Überlegungen höher wird; wobei wir die mediale Propaganda für das System als solches und gegen jede wirkliche Alternative nicht vergessen dürfen (wie die Hysterie nach G20), ebensowenig wie die Gefahr des rechten „Populismus“ (sozial-nationale Rhetorik, soziale Demagogie). Dass die Verdrossenheit DIESER Politik und diesem Personal gegenüber wächst, heisst nicht, dass Politik als solche abgelehnt wird, sondern deutet auf die richtige Empfindung der Alternativlosigkeit innerhalb des Bestehenden. Leider ist die Linke in ihrer bisherigen Verfasstheit nicht in der Lage, diese Lücke zu füllen – weder organisatorisch, noch inhaltlich, geschweige denn materiell.

Es wird also Zeit für einen seit lange überfälligen Strategiewechsel des szeneorientierten Teils der radikalen Linken – raus aus der Szene, hin zu den Menschen! Unsere Zersplitterung müssen wir überwinden, auch um unsere Inhalte koordinierter und breiter vermitteln zu können (Gegenöffentlichkeit!), Aktivierungsangebote schaffen, die über reinen Konsum hinausgehen, also Menschen zugleich materiell unterstützen und sie politisch organisieren können, Selbstorganisierungsprozesse vorantreiben und unterstützen und gemeinam widerständig handeln, das bedeutet, im Alltag die Verweigerung gegen die täglichen Zumutungen des Kapitalismus zu organisieren und zu vernetzen (zugleich wäre eine solcher Ansatz „praktischer“ als reine Kampagnen- und Aufklärungsarbeit);
Als Klasse kämpfen, um Gegenmacht aufzubauen
Unsere Stimmen erheben statt abgeben – eine revolutionäre Perspektive entwickeln!


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