Archiv der Kategorie 'Gedenken'

Oury Jalloh – Das war Mord!

„War es Mord? Dramatische Wende im Fall des Asylbewerbers Oury Jalloh“, „Oury Jalloh – war es doch Mord?“, „Sachverständige: Oury Jalloh wurde vermutlich umgebracht“, „Oury Jalloh vermutlich ermordet“ schreiben bürgerliche Medien und berufen sich dabei auf Gutachten von Sachverständigen, aber das Verfahren wird trotzdem eingestellt. Dabei belegen mittlerweile mehrere Gutachten, dass die Behauptung der Staatsanwaltschaft, es handele sich hierbei um einen Fall von Suizid – Oury lag gefesselt auf einer feuerfesten Matratze in einer Dessauer Polizeizelle und soll es geschafft haben, diese mit einem Feuerzeug, das nachweislich nicht in der Zelle war, in Brand gesetzt zu haben – nicht haltbar ist. So schließen sieben von acht Sachverständigen aus, dass das Feuer ohne Brandbeschleuniger so gewütet haben kann. Und ihr Fazit: Oury Jalloh war während des Brandausbruchs bereits tot oder bewusstlos. „Mehrere Sachverständige aus den Bereichen Brandschutz, Medizin und Chemie kommen laut Unterlagen mehrheitlich zum dem Schluss, dass ein Tod durch Fremdeinwirkung wahrscheinlicher sei als die lange von den Ermittlungsbehörden verfolgte These einer Selbstanzündung durch den Mann aus Sierra Leone. Das sind die Ergebnisse der jüngsten Gutachten und Brandversuche, die sich detailliert mit der Frage nach dem Ausbruch des Feuers in der Arrestzelle beschäftigen.“ Es gilt in diesem Kontext zu erinnern an den Tod des Obdachlosen Mario Bichtemann, der am 30.10.2002 im Polizeirevier Dessau in Zelle fünf an einem Schädelbruch starb (dieselbe Zelle, in der Oury Jalloh verbrannte). Auch hier spielte dieselbe stellvertretende Dienstgruppenleiterin eine tragende Rolle bei der Vertuschung. Hier werden staatliche Mörder behördlich gedeckt!!

Links:
https://www1.wdr.de/daserste/monitor/extras/uebersicht-dossier-oury-jalloh-100.html
https://www.jungewelt.de/artikel/322544.verordneter-täterschutz.html

Demonstration am 13. Todestag
07.01.2018 | 14.00 Uhr | Dessau Hbf

„…weil freiheit nur möglich ist – im kampf um befreiung“ – zu RAF und „deutschem Herbst“


In diesem Herbst jährt sich die Todesnacht von Stammheim zum vierzigsten Mal. Wie bei jeder solchen Gelegenheit wird der Versuch, revolutionäre Politik in der BRD bewaffnet durchzuführen, medial erneut denunziert, diskreditiert und, wahlweise als terroristisch, kriminell oder psychopathologisch diffamiert. Die dabei verwendete Methodik zeichnet sich im Wesentlichen dadurch aus, dass sie die Ereignisse aus dem historischen (NS-Nachfolgestaat BRD, Notstandsgesetze, APO), gesellschaftlichen (Klassengesellschaft, Imperialismus, Antikommunismus) und internationalen Kontext (Aufbruch durch weltweite Befreiungsbewegungen) löst und mit Psychologisierung, Personalisierung und Entpolitisierung arbeitet. Die Rote Armee Fraktion hat dies in einer ihrer Schriften psychologische Kriegsführung genannt. Es ist also wichtig, aus heutiger Perspektive im Kampf um die Deutungshoheit dem herrschenden, bis weit ins linke Spektrum hineinreichenden Geschichtsbild ein eigenes entgegenzusetzen. Revolutionäre Geschichte müssen wir uns kritisch, aber selbstbewusst aneignen, um aus den Erfahrungen, den Erfolgen wie den Irrtümern, für gegenwärtige Kämpfe und künftige Strategien zu lernen. Daher möchten wir benennen, für was die RAF ursprünglich stand und was daran für uns heute wichtig bleibt…[zum gesamten Text, erschienen in der Zeitschrift „Gefangenen Info“]

Siempre Antifascista Festival Göttingen 2017


Bei dem Siempre Antifascista Festival Göttingen handelt es sich um eine jährlich stattfindende Veranstaltungswoche unserer GenossInnen aus Göttingen. Damit sollen einerseits die Erinnerung an die zahlreichen Opfer rechter sowie rassistischer Gewalt wach gehalten, andererseits Impulse für unsere alltägliche antifaschistische Praxis gesetzt und einen Raum für Selbstreflexion und Austausch geschaffen werden. Für sie und uns besitzt der Antifaschismus dabei jedoch einen gesamtgesellschaftlichen Anspruch. Er ist antirassistisch, antisexistisch und lehnt sich auch gegen jegliche andere Herrschafts- und Diskriminierungsform auf.

Auch im Jahr 2017 wird das Siempre Antifascista Festival wieder in der ersten Oktoberwoche stattfinden; und zwar vom 03.10. bis zum 07.10. Es beginnt mit der Auftaktveranstaltung am Dienstagabend. Während viele andere Menschen glauben an diesem Tag irgend etwas feiern zu müssen, laden wir zu einem Vortrag von Bini Adamczak über Geschlechterverhältnisse in der Russischen Revolution und wollen damit an jenes Ereignis erinnern, dass sich dieses Jahr zum hundertsten mal jährt. In den darauffolgenden Tagen wird Andrea Röpke über Frauen in der Neonazi-Szene sprechen, Jan Raabe über Rechtsrock in Thüringen und Birgit Mair über die Aufarbeitung der NSU-Verbrechen. Auch wird es eine Filmvorführung und einen Graffiti-Workshop geben. Am Samstagabend findet das große Abschlusskonzert statt. Punkrock, HipHop, Hardcore und sogar ein bisschen Techno.

Checkt die Internetseite der VeranstalterInnen für weitere und detaillierte Informationen:
www.siempre-antifa-goettingen.net

Kein Schlussstrich unter den NSU Komplex – Für revolutionären Antifaschismus

In der Vergangenheit sind immer wieder Details über den NSU und die damit offenbar gewordene Zusammenarbeit von Neofaschisten und Geheimdiensten bekannt geworden – ohne größere Konsequenzen. Mit der Urteilsverkündung im NSU Prozess in München wird der Komplex staatlicherseits ad acta gelegt. Indes wird nichts aufgeklärt sein – vor allem nicht das den NSU umgebende Netzwerk (frühzeitig legte sich die Bundesanwaltschaft auf drei Täter fest – mehr zum NSU Verfahren hier) sowie die Rolle des Verfassungsschutzes (bekannt geworden sind u.a. 45 Spitzel im Umfeld der Gruppe und die Anwesenheit eines hessischen VS-Beamten beim letzten der NSU Morde). Dieser VS-Mitarbeiter wird am 25.8. vor dem Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtages erneut vernommen werden. Erneut ist zu erwarten, dass er mit Lügen und Widersprüchen durchkommen wird – schließlich wird er von Volker Bouffier (damals Innenminister, jetzt Ministerpräsident Hessens) und seiner Behörde gedeckt. Ein unabhängiges Gutachten von Forensic Architecture hatte den Verfassungsschützer bereits der Lüge überführt. In einem Film hat das Team das Gutachten filmisch zusammengefasst und erklärt in einer knappen halben Stunde, was der Beamte nicht zugeben will. Diese Geschehnisse (und die strukturellen Verwicklungen des Staates darin) müssen umfassend aufgeklärt werden und dürfen niemals in Vergessenheit geraten!

Am Tag der Vernehmung eine Kundgebung unter dem Motto „Kein Schlussstrich“ in Wiesbaden statt. Die Forderungen der VeranstalterInnen lauten:
- Kein Schlussstrich! – NSU-Komplex aufklären und auflösen!
- Verfassungsschutz auflösen!
- Dem rassistischen Terror gegen Flüchtlinge und Migrant*innen entgegentreten!
- Rassismus in Behörden und Gesellschaft bekämpfen!

Und wir fügen noch hinzu:
Keine Illusionen in den bürgerlichen Staat!
Für einen revolutionären Antifaschismus!

Freitag, 25. August | 10:00 Uhr | Dernsches Gelände, Wiesbaden
(Es gibt einen Zugtreffpunkt in Frankfurt, 8:45 Uhr am Hauptbahnhof, an der großen Anzeigetafel)

Einige Tage zuvor wird es in Frankfurt eine Kundgebung und anschließende Fimvorführung geben: „Tödliche Kontinuitäten
Dienstag, 22. August | 18:30 Uhr | Kundgebung am Hülya-Platz, 60487 Frankfurt-Bockenheim | Filmvorführung im Café Exzess – Leipziger Straße 91.

Der Film ist auf der Webseite http://www.forensic-architecture.org/case/77sqm_926min zu sehen, auch die Sprache ist wählbar (englisch, türkisch, deutsch).

Am Tag X, also dem Tag der Urteilsverkündung wird es außerdem eine Großdemo am Ort des Prozesses, also in München, geben.
Dort rufen wir zur Teinahme am revolutionären Block auf! Infos gibt es dazu demnächst von den GenossInnen vor Ort.

Weitere Recherchen zum NSU Komplex hier sowie zum Prozess hier.

Ein aktueller Text von uns zu „revolutionärem Antifaschismus“.

Zum 40. Todestag von Ulrike Meinhof: Vom Protest zum Widerstand

Am 9.5.1976 wurde Ulrike Meinhof in ihrer Zelle in der JVA Stammheim tot aufgefunden. Die Justiz sprach sofort von Selbstmord durch Erhängen. Eine internationale Untersuchungskommission kam jedoch zu dem Schluss: „Die Behauptung der staatlichen Behörden, Ulrike Meinhof habe sich durch Erhängen selbst getötet, ist nicht bewiesen, und die Ergebnisse der Untersuchungen der Kommission legen den Schluss nahe, dass sich Ulrike nicht selber erhängen konnte.“ Menschen, die an der staatlichen Selbtmordthese zweifeln, werden bis heute kriminalisiert.

Ulrike engagierte sich seit 1957 politisch, war Mitlied der illegalisierten KPD und wurde durch ihre Artikel und Kolumnen vor allem in der Zeitschrift „Konkret“ eine bedeutende linke Persönlichkeit in der BRD. 1970 gründete sie mit anderen die bewaffnet im Untergrund kämpfende Gruppe Rote Armee Fraktion (RAF). Die Entscheidung für den bewaffneten Kampf in der imperialistischen Metrople Bundesrepublik fiel durch die postfaschistische Kontinuität der BRD, dem US-Völkermord in Vietnam und war getragen vom Willen, die Revolte der APO von 1968 weiterzuentwicklen.

40 Jahre nach ihrem Tod wird es in Frankfurt eine Veranstaltung geben. Es soll diskutiert werden, welche Bedeutung Ideen und Handeln von Ulrike und ihren Genossinnen heute noch haben. Es soll um den zeitgeschichtlichen Kontext, Theorie und Praxis des Widerstands gehen und um Verbindungslinien zu heutigen Analysen und Kämpfen.

Dazu sind eingeladen
GenossInnen, Weggefährtinnen und ZeitzeugInnen sowie ein Referent
des Netzwerks „Freiheit fuer alle politischen Gefangenen“

14.05.2016 | 19 Uhr | Internationales Zentrum | Frankfurt